{"id":1128,"date":"2020-09-23T10:00:00","date_gmt":"2020-09-23T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/guestbook-magazine.eu\/?p=1128"},"modified":"2020-12-13T17:56:03","modified_gmt":"2020-12-13T16:56:03","slug":"carmen-catuti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/guestbook-magazine.eu\/en\/read\/paperness\/carmen-catuti\/","title":{"rendered":"&#8222;Liebe Gr\u00fc\u00dfe aus 18500m H\u00f6he, Michelle&#8220; von Carmen Catuti"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"lazyblock-paperness-1ag91m wp-block-lazyblock-paperness\"><div class=\"row firstRow\">\n  <div class=\"col-md-4 inner fixedContent\">\n    <p>\n      <h2><strong>Carmen Catuti: Liebe Gr\u00fc\u00dfe aus 18500 m H\u00f6he, Michelle<\/strong><\/h2>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung \u201eLiebe Gr\u00fc\u00dfe aus 18500 m H\u00f6he, Michelle\u201c von Carmen Catuti zeigt eine besondere Art der Zusammenarbeit zwischen Fotografin und behandeltem Subjekt. \u00dcber Monate hinweg portr\u00e4tierte Catuti die Dortmunder Stadtbekanntheit Michelle. W\u00e4hrend des Prozesses wandelten sich die Portraitaufnahme mit Fotografin als Beobachter, und formten sich zu einer Portraitserie in welcher Michelles Selbstwahrnehmung eingefangen wurde. In Catutis Buch zeigt sich das Ergebnis eines Machkampfes um Eigen- und Fremdwahrnehmung.\u00a0<\/p>\n<h2><strong>Wie kam dir die Idee zu diesem ungew\u00f6hnlichen Buchprojekt?<\/strong><\/h2>\n<p>Das Buch ist zwischen 2010 und 2011 entstanden, zu der Zeit habe ich Dortmund Fotografie studiert.<\/p>\n<p>Michelle, der Protagonist des Buches, ist in Dortmund aufgrund seines exzentrischen Auftretens eine stadtbekannte Pers\u00f6nlichkeit. Fast t\u00e4glich flanierte er mit seinem wei\u00dfen Hund entlang Dortmunds Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Ich bin ihm dort oft begegnet und war lange von ihm fasziniert, bevor ich mich endlich getraut habe ihn anzusprechen.<\/p>\n<p>Seine ganze Erscheinung und Selbstinszenierung waren ein einziges R\u00e4tsel und ich war neugierig mehr \u00fcber ihn zu erfahren. Die Fotografie war anf\u00e4nglich nur ein Vorwand, um mit ihm in Kontakt zu treten. Er sagte sofort zu, was mich total verwunderte. Normalerweise reagieren Menschen, die ich auf der Stra\u00dfe anspreche, anf\u00e4nglich skeptischer, fragen genauer nach, wieso ich sie ausgesucht habe und was nachher mit den Fotos passieren soll. Er war \u00fcberhaupt nicht an solchen Fragen interessiert. Im Nachhinein denke ich, dass wir uns beide zu diesem Zeitpunkt auf ein Spiel mit vorgefertigten Rollen eingelassen haben. Ich stellte mich als Fotografin vor, die nur daran interessiert war ihn zu fotografieren. Er nahm die Rolle des Models ganz selbstverst\u00e4ndlich ein und nutzte die Fotoshootings sp\u00e4ter als B\u00fchne.<\/p>\n<h2><strong>Was fasziniert dich an Menschen im Allgemeinen und an \u201cMichelle\u201c im Speziellen?<\/strong><\/h2>\n<p>Wir alle sind voller Widerspr\u00fcchen, die uns meist gar nicht bewusst sind, weil wir uns blind stellen. Widerspr\u00fcche sind schwer zu ertragen. Unsere Identit\u00e4t ist kein homogenes Ganzes, sondern eher ein Flickenteppich aus unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeiten. Diese Pers\u00f6nlichkeiten stehen auch in Beziehung zueinander. Wenn sie unterschiedliche Werte und Ziele verfolgen f\u00fchrt es zu innerlichen Konflikten. Trotz allem sind wir stets bem\u00fcht nach au\u00dfen ein gefestigtes Bild zu pr\u00e4sentieren. Das gelingt uns je nach Situation mehr oder weniger.<\/p>\n<p>Michelle sehe ich als ein Beispiel daf\u00fcr, er fasziniert mich weil ich mich in ihn wiedererkenne, ich erkenne in ihn den menschlichen Zustand wieder. Meine Selbstinszenierungen sind nicht so aufwendig und extravagant wie seine, daf\u00fcr k\u00f6nnte man aber sagen, dass er verspielter ist und mehr Spa\u00df am Spiel hat.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h2><strong>Warum ist es so schwierig, ein Fotobuch zu machen?<\/strong><\/h2>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung sehe ich in der Sequenz der Bilder. Man legt eine Reihenfolge fest und bringt Bilder in Beziehung zueinander. Man m\u00f6chte, dass die Beziehung die man schafft spannender ist als die Bilder jeweils alleine betrachtet. Es soll einen Mehrwert geben, der sich auch nach dem hundertsten Durchbl\u00e4ttern nicht ersch\u00f6pft. Ich liebe Diane Arbus Zitate \u00fcber Fotografie: \u201eA picture is a secret about a secret, the more it tells you the less you know.\u201c F\u00fcr mich gilt das gleiche f\u00fcr Fotob\u00fccher. Obwohl man mehr Informationen zur Verf\u00fcgung hat und unterschiedliche Informationsquellen zusammenbringt (Bild, Text, Layout, Materialien) sollen diese Informationen das Geheimnis nicht rauben, sondern zum Geheimnis beitragen.<\/p>\n<p>Wenn sich zwei Bilder sich auf dieser Art und Weise befruchten, wenn sie zusammen einen neuen Raum aufmachen, ohne ihn konkret zu benennen, dann geht es um subtile Zusammenh\u00e4nge, dann passiert das meistens auf der feinen Gef\u00fchlsebene. Unser Intellekt kann im Nachhinein Gr\u00fcnde daf\u00fcr finden, warum diese zwei Bilder so gut zusammenpassen, aber ganz konkret kann man es doch nicht fassen.<\/p>\n<p>Bei der Zusammenstellung der Bilder habe ich Dinge einfach ausprobiert und bin meinem Gef\u00fchl gefolgt. Um nicht komplett im Chaos zu versinken musste ich aber auch ein paar &#8222;Spielregel&#8220; festlegen. Ich habe die Bilder in unterschiedliche Gruppen eingeteilt und f\u00fcr jede Gruppe legte ich ein anderes Seitenlayout fest.\u00a0<\/p>\n<h2><strong>Hast du eine Lieblingsseite im Buch?<\/strong><\/h2>\n<p>Ich mag die Doppelseite mit dem Sch\u00e4ferhundportrait und den V\u00f6geln. Es ist einer der wenigen Doppelseiten auf dem Michelle nicht zu sehen ist. Der wei\u00dfe Sch\u00e4ferhund repr\u00e4sentiert ihn aber sehr gut. Michelle selbst hat ihn sozusagen zum Repr\u00e4sentanten ausgew\u00e4hlt. Und tats\u00e4chlich sieht der Hund auf dem Bild merkw\u00fcrdig menschlich aus.<\/p>\n<p>Das Vogelbild steht im Zusammenhang mit Michelles SMS, die auch im Buch enthalten sind, und in denen Michelle von seinen Reisen als Pilot erz\u00e4hlt. F\u00fcr mich ist das das Vogelbild aber auch eine Art Verortung. Wenn diese Geschichte irgendwo stattfindet, dann in diesen luftigen H\u00f6hen. Es ist eine Bildzusammenstellung, die einerseits absurd ist und auf der anderen Seite f\u00fcr mich sehr viel Sinn macht.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1121 aligncenter\" src=\"https:\/\/guestbook-magazine.eu\/wp-content\/uploads\/Carmen_Catuti-min-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/guestbook-magazine.eu\/wp-content\/uploads\/Carmen_Catuti-min-200x300.jpg 200w, https:\/\/guestbook-magazine.eu\/wp-content\/uploads\/Carmen_Catuti-min.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><br \/>Carmen Catuti<\/h6>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.carmencatuti.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.carmencatuti.com<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/carmencatuti\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.instagram.com\/carmencatuti<\/a><\/p>\n    <\/p>\n  <\/div>\n    <div class=\"authorNames small\">\n<div class=\"lazyblock-add-authors-Zu7Ov4 wp-block-lazyblock-add-authors\"><div class=\"authorNames\">\nFotografie: Christina Rollny  und Text: <a href=\"https:\/\/guestbook-magazine.eu\/en\/author\/Lili-Oberdoerfer\">Lili Oberdoerfer<\/a><!-- second author area -->\n  <\/div><\/div>\n<\/div>\n  <div class=\"col-md-8 offset-md-4 pl-0 imageRow\">\n    <img decoding=\"async\" style=\"width:100%; 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